360°-Rundgang oder 3D-Rundgang: Was ist der Unterschied?

Ein 360°-Rundgang besteht aus Rundumfotos, die an festen Punkten in der Wohnung aufgenommen werden. Man steht in der Mitte eines solchen Fotos, kann sich auf der Stelle umsehen und springt dann zum nächsten Punkt.
Ein begehbarer 3D-Rundgang ist dagegen ein räumliches Modell der ganzen Wohnung. Man bewegt sich darin frei, auf Augenhöhe und durch jede Tür, ungefähr so wie bei einer echten Besichtigung. Dadurch sieht man auch, wie die Räume zusammenhängen und wie groß sie sind.
Wie ein 360°-Rundgang entsteht
Für einen 360°-Rundgang stellt der Fotograf eine Rundumkamera in jeden Raum, in größeren Räumen auch an mehrere Stellen. Jede Aufnahme ist ein Panorama, das die ganze Umgebung zeigt, wie das Innere einer Kugel. Im Rundgang steht man genau in der Mitte dieser Kugel und kann den Blick in alle Richtungen drehen. Pfeile oder Punkte auf dem Boden führen zur nächsten Aufnahme.
Daraus ergeben sich drei Grenzen, die man kennen sollte:
- Man sieht nur, was von den Aufnahmepunkten aus zu sehen ist. Zwischen zwei Punkten gibt es kein Bild, nur einen Übergang. Eine Nische im Flur oder die Ecke hinter der Kücheninsel bleibt unsichtbar, wenn dort niemand die Kamera aufgestellt hat.
- Man springt, statt zu gehen. Wer von Punkt zu Punkt springt, erlebt die Wege in der Wohnung nicht. Wie weit es vom Schlafzimmer ins Bad ist oder ob die Küche zum Wohnzimmer offen ist, muss man sich zusammenreimen.
- Größen sind schwer einzuschätzen. Rundumfotos haben einen sehr weiten Blickwinkel. Das lässt Räume je nach Standort größer oder kleiner wirken, als sie sind.
Auch klassische Rundgänge von Matterport, dem bekanntesten Anbieter, funktionieren nach diesem Prinzip. Man bewegt sich von Scanpunkt zu Scanpunkt, also von einer Stelle, an der die Kamera bei der Aufnahme stand, zur nächsten. Zusätzlich gibt es dort eine sogenannte Puppenhaus-Ansicht, in der man die Wohnung als Modell von außen betrachten kann. Welche Alternativen es gibt, vergleicht Alternativen zu Matterport.
Wie ein begehbarer 3D-Rundgang entsteht
Für einen begehbaren Rundgang wird die Wohnung nicht an einzelnen Punkten fotografiert, sondern einmal komplett abgefilmt. Bei Horama gehen wir dafür mit einer 360°-Kamera in drei Runden durch jeden Raum: mit der Kamera über Kopfhöhe, auf Brusthöhe und knapp über dem Boden. So ist jede Stelle aus vielen Richtungen zu sehen.
Aus diesem Video berechnet ein Verfahren namens Gaussian Splatting ein fotorealistisches 3D-Modell. Das Modell besteht nicht aus Fotos an festen Punkten, sondern aus Millionen kleiner, weicher, farbiger Flecken, die im Raum verteilt sind. Diese Flecken heißen Splats. Jeder hat eine Position, eine Form, eine Deckkraft und eine Farbe, die sich je nach Blickwinkel leicht ändert, so wie ein Glanzlicht auf dem Parkett mitwandert, wenn man sich bewegt.
Ein Computer verschiebt und färbt diese Flecken so lange, bis das Modell jedes Bild aus dem Video möglichst genau nachbilden kann. Weil das Modell danach den Raum selbst kennt und nicht nur einzelne Ansichten davon, kann es auch Blicke zeigen, die so nie fotografiert wurden. Genau das macht freies Gehen möglich. Wie dieser Rechenweg im Einzelnen aussieht, steht in Gaussian Splatting erklärt.
Damit das Ergebnis scharf wird, müssen alle Bilder auf den Pixel genau zueinander passen. Bei 360°-Kameras ist dafür vor allem die Kalibrierung der beiden Linsen wichtig. Dabei wird für jede der zwei Fischaugenlinsen genau bestimmt, wie sie das Bild verzerrt und wo sie sitzt. Fehlt dieser Schritt, erscheinen Kanten nahe der Kamera doppelt. Das erklärt Ghosting bei 360°-Aufnahmen.
Das fertige Modell läuft im Browser, am Rechner genauso wie auf dem Handy, ohne App. Interessenten können darin frei durch Türen und Flure gehen, in jeden Winkel schauen, mit einem Klick von Raum zu Raum springen, wenn es schneller gehen soll, und die ganze Wohnung von oben sehen. Probieren Sie es aus:
Die Unterschiede im Überblick
| 360°-Rundgang | Begehbarer 3D-Rundgang | |
|---|---|---|
| Bewegung | Springen zwischen festen Aufnahmepunkten | Freies Gehen durch alle Räume |
| Was man sieht | Was von den Aufnahmepunkten aus zu sehen ist | Die ganze Wohnung, aus jedem Winkel |
| Raumgefühl | Wege und Größen schwer einzuschätzen | Wege und Größen wie beim Gehen vor Ort |
| Aufnahme | Kamera an jedem Punkt einzeln aufstellen | Wohnung einmal komplett abfilmen |
| Ansicht von oben | Je nach Anbieter Grundriss oder Puppenhaus | Die ganze Wohnung fotorealistisch von oben |
| Gerät | Browser, auch auf dem Handy | Browser, auch auf dem Handy |
Woher die Technik kommt
Gaussian Splatting wurde 2023 auf der SIGGRAPH vorgestellt, der wichtigsten Fachkonferenz für Computergrafik. Entwickelt hat es ein Team um Bernhard Kerbl und George Drettakis an der französischen Forschungseinrichtung Inria (Projektseite). Der Durchbruch war, dass fotorealistische Szenen damit in Echtzeit dargestellt werden können, also schnell genug, um sich flüssig darin zu bewegen. Wie das auch auf Handys gelingt, steht in Gaussian Splatting im Browser.
Seitdem ist das Verfahren schnell in der Praxis angekommen. Das US-Immobilienportal Zillow nutzt es zum Beispiel seit 2025 für seine SkyTour, eine 3D-Ansicht von Haus und Grundstück aus Drohnenaufnahmen (Zillow, Juli 2025).
Wann reicht ein 360°-Rundgang?
Nicht jedes Objekt braucht einen begehbaren Rundgang. Für eine kleine Mietwohnung mit drei Räumen, die sich innerhalb einer Woche vermietet, reichen gute Fotos, ein Grundriss und eventuell ein 360°-Rundgang völlig aus.
Ein begehbarer Rundgang lohnt sich vor allem dann, wenn Interessenten den Grundriss verstehen müssen, bevor sie sich entscheiden. Das ist typischerweise der Fall bei offenen Wohnbereichen und verwinkelten Grundrissen, die auf Fotos nicht zusammenpassen, bei Interessenten von weiter weg, die nicht für jede Besichtigung anreisen wollen, und bei Objekten, bei denen der Eigentümer eine besondere Vermarktung erwartet. Außerdem hilft er, Besichtigungen auf ernsthafte Interessenten zu beschränken. Mehr dazu steht in Besichtigungstourismus vermeiden.
Häufige Fragen
Ist ein 3D-Rundgang dasselbe wie ein virtueller Rundgang?
„Virtueller Rundgang“ ist der Oberbegriff für alle Rundgänge am Bildschirm. Dazu gehören sowohl 360°-Rundgänge aus Rundumfotos als auch begehbare 3D-Rundgänge, durch die man sich frei bewegen kann.
Was ist eine virtuelle Besichtigung?
Eine Besichtigung am Bildschirm statt vor Ort. Interessenten sehen sich die Immobilie im Browser an, entweder als 360°-Rundgang aus Rundumfotos oder als begehbaren 3D-Rundgang. Eine virtuelle Besichtigung ersetzt beim Kauf selten den Termin vor Ort, sie sorgt aber dafür, dass nur noch ernsthaft Interessierte kommen.
Brauchen Interessenten eine App oder eine VR-Brille?
Nein. Ein begehbarer 3D-Rundgang läuft im normalen Browser, am Rechner und auf dem Handy. Makler binden ihn mit zwei Zeilen Code auf ihrer Website ein oder verschicken ihn als Link und QR-Code, zum Beispiel im Exposé.
Was ist Gaussian Splatting?
Ein Verfahren, das aus Fotos oder einem Video ein fotorealistisches 3D-Modell berechnet. Klassische 3D-Modelle bestehen aus Dreiecken, auf die Fotos geklebt werden. Gaussian Splatting setzt die Szene stattdessen aus Millionen weicher, farbiger Flecken zusammen. Dadurch wirken auch Licht und feine Strukturen wie Stoffe oder Pflanzen echt, und das Modell läuft trotzdem flüssig im Browser.
Wie schnell ist ein begehbarer 3D-Rundgang fertig?
Bei Horama 7 Tage nach der Aufnahme, als Express in 72 Stunden. Was das kostet und wovon der Preis abhängt, steht in Was kostet ein 3D-Rundgang?.
Gibt es eine Alternative zu Matterport?
Ja. Neben anderen Anbietern von 360°-Rundgängen gibt es begehbare 3D-Rundgänge mit Gaussian Splatting, durch die man sich frei bewegt statt von Scanpunkt zu Scanpunkt zu springen. Einen Vergleich der Möglichkeiten gibt Alternativen zu Matterport.


