HORAMA

Spiegel, Glas und glänzende Böden im 3D-Rundgang: warum sie Fehler machen und was hilft

Wohnzimmer mit Fensterfront, daneben ein Flur mit hellem Holzboden, in einer fremden Demo-Aufnahme als begehbarer 3D-Rundgang

Spiegel, große Fenster und glänzende Böden bereiten einem 3D-Rundgang Probleme, weil sich das Bild darin mit dem Standpunkt der Kamera ändert. Ein Gaussian Splat, also ein Modell aus vielen kleinen, halbtransparenten Farbpunkten, kennt keine Spiegelung. Es hält das Spiegelbild für einen echten Raum hinter der Fläche und baut ihn nach. Bei einem glänzenden Boden liegt dieser Spiegelraum unter den Füßen. Wird er beim automatischen Bereinigen des Modells entfernt, bleibt eine durchsichtige Stelle zurück, durch die der dunkle Hintergrund als schwarzer Streifen scheint.

Am meisten hilft die Vorbereitung: Spiegel vor der Aufnahme abhängen, abdecken oder umdrehen, Jalousien und Vorhänge festlegen und große Fernseher und Glastüren ebenfalls abdecken. Was sich nicht entfernen lässt, kann nachträglich nur begrenzt repariert werden. Bei glänzenden Böden lässt sich das Modell so berechnen und bereinigen, dass der Boden geschlossen bleibt.

Warum eine Spiegelung für das Modell ein Raum ist

Ein Gaussian Splat entsteht, indem ein Computer aus vielen Fotos berechnet, wo im Raum etwas steht, das diese Fotos erklärt. Diese Berechnung heißt Training (die Grundlagen stehen in Was ist Gaussian Splatting?). Der Computer weiß dabei nicht, was ein Spiegel ist. Er sieht auf einem Foto eine Tür, einen Schrank und eine Lampe an einer Stelle, an der die Wand ist, und sucht die einfachste Erklärung: Dort muss ein Raum liegen. Er legt die Farbpunkte, die Splats, also hinter die Spiegelfläche.

Das ist kein Fehler einer einzelnen Software, sondern ein Grundproblem des Verfahrens. Die Forschung beschreibt es so: Gaussian Splatting habe Mühe, physikalische Spiegelungen genau abzubilden, besonders in Spiegeln. Eine zweite Arbeit stellt fest, dass es Spiegelungen oft als virtuelle Räume missdeutet, was zu verschwommenen und widersprüchlichen Bildern im Spiegel führt. Eine dritte spricht davon, dass Spiegelungen als physische Geometrie missverstanden werden und das die Rekonstruktion verschlechtert.

Dazu kommt ein zweites Problem. Was man im Spiegel sieht, hängt vom Standpunkt ab: Von links zeigt er die rechte Zimmerhälfte, von rechts die linke. Für die Fotos, aus denen das Modell berechnet wird, bedeutet das, dass dieselbe Stelle in verschiedenen Bildern verschieden aussieht. Das Modell muss sich entscheiden. Das Ergebnis sind der nachgebaute Raum hinter der Wand und unscharfe Flecken an der Spiegelfläche selbst. Allgemein beschreibt die Forschung auch, dass Gaussian Splatting Glanzlichter und spiegelnde Anteile schlecht wiedergibt. Die Autoren führen das darauf zurück, dass die Farbe einer Stelle je nach Blickrichtung nur mit sehr einfachen Mitteln (sogenannten Kugelflächenfunktionen, englisch spherical harmonics) beschrieben wird, die feine, scharfe Unterschiede kaum darstellen können. Wie sich solche Fehler von anderen Unschärfen unterscheiden, sammelt Unscharfe Gaussian Splats: Ursachen.

Der glänzende Boden: ein Spiegel, den man nicht bemerkt

Ein lackiertes Parkett, Fliesen oder polierter Beton sind kleine Spiegel. Die Spiegelung ist weich und schwach, und doch nimmt das Modell sie ernst. Bei Horama zeigte sich in allen eigenen Rundgängen ein dunkler, verwaschener Streifen auf dem Boden entlang des Laufwegs. Die Ursache wurde an zwei eigenen Testscans untersucht, einer Wohnung und einem Keller.

Der Boden wird durchsichtig. Das Training stellte den Boden nicht als feste Fläche dar, sondern als halbdurchsichtige Schicht. Die Deckkraft der Splats am Laufweg lag typischerweise bei etwa 0,12 (genauer: Median, die Hälfte der Splats lag darunter). Deckkraft ist ein Wert zwischen 0 (unsichtbar) und 1 (vollkommen undurchsichtig). Nur 3 bis 4 Prozent dieser Splats lagen über 0,5. (Messung bei Horama an einem Testscan der Wohnung, 31.10.2026.)

Darunter liegt das Spiegelbild des Raums. Unter dem Boden fanden sich Splats, die die Decke, die Lampen und die Möbel noch einmal zeigen, wie in einem Spiegel. Sie reichten fast nie weiter nach unten als eine Raumhöhe: 94 Prozent lagen in der Wohnung und 99 Prozent im Keller innerhalb von Raumhöhe plus 0,3 Metern unter dem Boden. Das passt dazu, dass ein Spiegelbild so weit hinter der Fläche liegt, wie der Gegenstand davor steht. (Messung bei Horama, Testscans Wohnung und Keller, 31.10.2026.)

Beim Aufräumen entstand das Loch. Nach dem Training wird ein Modell automatisch bereinigt, bei Horama in einem eigenen Schritt (siehe Gaussian Splatting selbst machen). Eine der Regeln entfernte alles, was mehr als 0,3 Meter unter dem Boden liegt. Das sind normalerweise Reste, die dort nichts zu suchen haben. In diesem Fall waren es die Splats des Spiegelraums (in der Wohnung rund 37.600 Stück). Mit ihnen verschwand ein Großteil dessen, was den halbdurchsichtigen Boden nach unten abgedeckt hatte. Im Rundgang schien dadurch der dunkle Hintergrund hindurch.

Zum Prüfen haben wir dieselben Blickpunkte mit einem grellen Magenta als Hintergrund gerendert. Wo der Boden durchsichtig ist, erscheint Magenta. In der unteren Bildhälfte am Laufweg war der durchsichtige Anteil im rohen Modell 0 Prozent, nach dem Aufräumen mit dem alten Grenzwert 47 Prozent (an einzelnen Stellen bis 64 Prozent) und mit der Korrektur wieder 0 Prozent. Im Keller stieg er an einem Wäscheständer durch denselben Schnitt von 0 auf 29 Prozent. (Messung bei Horama, 31.10.2026. Gemeint ist der Anteil der Bildpunkte, durch die das Magenta zu sehen war.) Im rohen Modell war der Boden am Laufweg also noch geschlossen. Die Ursache lag im Zusammenspiel von Spiegelraum und Aufräumregel, nicht in der Kompression oder in den Detailstufen (verkleinerte Fassungen des Modells für schnelles Laden).

Der Grenzwert von 0,3 Metern ist eine feste Einstellung, die wir selbst gewählt hatten. Wir halten es für wahrscheinlich, dass andere glänzende Böden ähnlich reagieren, haben das aber nur an den beiden genannten Scans geprüft.

Fenster und Glas: durchsehen und spiegeln zugleich

Eine Glasscheibe ist ein besonders schwieriges Material, weil sie zwei Dinge gleichzeitig tut: Sie lässt den Blick nach draußen durch und spiegelt den Raum davor. Wie viel von beidem man sieht, hängt vom Blickwinkel ab. Eine aktuelle Arbeit zu Glasflächen in Innenräumen geht genau davon aus: Durchblick und Spiegelung an ebenen Flächen kämen in Innenräumen ständig vor, und wie stark die Spiegelung ist, hänge vom Blickwinkel ab. Eine andere Arbeit hält fest, dass Gaussian Splatting durchsichtige Gegenstände mit anderen Dingen in der Nähe schlecht wiedergibt.

In einer Wohnung zeigt sich das an großen Fensterflächen, an Glastüren, Duschwänden, Backofentüren und an ausgeschalteten Fernsehern. Ein Anwender einer Matterport-Kamera berichtet in einem Forum, dass manche große Fernseher wie Spiegel markiert werden mussten, weil sonst Löcher in der Wand zum nächsten Raum entstanden. Auch helle Fenster machen Schwierigkeiten: Die Hilfeseiten von SketchUp empfehlen für Innenräume, Jalousien zu schließen, damit helle Flecken die Berechnung nicht stören.

Was die Forschung dagegen tut

Mehrere Forschungsgruppen haben Verfahren entwickelt, die Spiegel gezielt behandeln. Die Grundidee ist bei fast allen gleich: Das Programm sucht die Ebene des Spiegels und rechnet die Spiegelung als das, was sie ist, nämlich als Blick von einer gespiegelten Kamera hinter der Fläche.

  • Mirror-3DGS ergänzt das Modell um Spiegel-Eigenschaften und simuliert einen Blickpunkt hinter dem Spiegel.
  • MirrorGaussian zeichnet die Szene und zusätzlich eine an der Spiegelebene gespiegelte Kopie und lernt die Ebene beim Training mit.
  • Gaussian Splatting in Mirrors schätzt die Spiegelebene aus Tiefen- und Richtungsangaben des Modells selbst und setzt gespiegelte virtuelle Kameras, die danach verfeinert werden.
  • TR-Gaussians überträgt die Idee auf Glasflächen, die durchlassen und spiegeln, und mischt beides je nach Blickwinkel.
  • ReflectiveGS geht einen Schritt weiter und nutzt Spiegelungen als zusätzliche Blickwinkel, weil sie Teile des Raums zeigen, die direkt nicht zu sehen sind. Die Autoren stellen dazu einen Datensatz mit 1.256 Bildern aus Innenräumen mit markierten Spiegeln bereit.

Die Arbeiten haben Grenzen. Die genannten Verfahren rechnen mit einer ebenen Spiegel- oder Glasfläche. Das trifft auf die meisten Wandspiegel zu (Annahme), nicht aber auf gewölbte Flächen. Wir haben von diesen Arbeiten die Zusammenfassungen gelesen, aber die Verfahren nicht selbst eingesetzt. Ob sie in den gängigen Programmen für Gaussian Splatting fertig enthalten sind, haben wir nicht geprüft. Für die tägliche Arbeit zählen deshalb vor allem Vorbereitung und Aufräumen.

Bei der Aufnahme: was hilft

Weil das Modell Spiegelungen nicht erkennt, ist es am sichersten, sie gar nicht erst aufzunehmen.

  • Spiegel abhängen, umdrehen oder abdecken. Die Hilfeseiten von SketchUp raten für Gaussian Splats ebenfalls dazu, hochreflektierende oder durchsichtige Flächen wie Spiegel und Glas zu meiden. Bei Horama gehört das zur Vorbereitungs-Checkliste.
  • Fernseher, Backofentüren und Glastüren nicht vergessen. Sie spiegeln bei ausgeschaltetem Bild fast wie ein Spiegel. Abdecken oder so stellen, dass sie wenig spiegeln.
  • Türen und Vorhänge festlegen. Ein Anwender der Matterport-Kamera beschreibt, dass ein Spiegel am Ende eines Flurs durch eine halb geöffnete Tür nicht im Bild erschien, und nennt das selbst Glück. Als Idee taugt es nur, wenn die Tür während der ganzen Aufnahme in derselben Stellung bleibt, sonst sieht man sie im Rundgang doppelt oder verwaschen (Begründung in Ursachen unscharfer Splats).
  • Fest eingebaute Spiegel vorab nennen. Ein Spiegelschrank im Bad lässt sich nicht abhängen. Wer das vor dem Termin weiß, kann den Aufwand einplanen und dem Eigentümer sagen, dass an der Fläche eine unscharfe Stelle bleiben kann.
  • Hellen Tageslichteinfall begrenzen. Jalousien und Vorhänge einmal einstellen und nicht mehr verändern.

In der Fotogrammetrie (dem Vermessen von Gegenständen aus Fotos) arbeitet man bei glänzenden Gegenständen mit Polarisationsfiltern auf Lampen und Objektiv, die Spiegelungen herausfiltern. Das Verfahren beschreibt die Aufnahme einzelner Objekte mit Drehteller und eigener Beleuchtung. Auf ganze Wohnungen lässt es sich nach unserer Einschätzung nicht sinnvoll übertragen (Annahme). Ob es bei Glas überhaupt wirkt, lässt die Beschreibung der Technik offen.

Und wie macht das Matterport?

Der Vergleich ist lehrreich, weil das Problem dort dasselbe ist, die Lösung aber anders. Matterport schreibt in seinem Leitfaden Best Scanning Practices (Stand März 2020, auf der Seite eines Dienstleisters abgelegt), die Kamera könne einen Spiegel nicht als solchen erkennen und glaube deshalb, hinter der Spiegelung liege ein Raum. Das könne beim Scannen zu erheblichen Ausrichtungsfehlern führen. Der Fotograf zeichnet deshalb jeden Spiegel in der Aufnahme-App von Hand ein, und die App ignoriert dann, was sie dahinter sieht. Matterport empfiehlt, Spiegel und Fenster schon während des Scannens zu markieren, damit sie als feste Fläche behandelt werden. Bei Gaussian Splatting gibt es dieses Einzeichnen nach unserem Wissen nicht. Hier setzt man vorher bei der Vorbereitung und hinterher beim Aufräumen an. Einen Gesamtvergleich der Verfahren gibt Alternativen zu Matterport.

Nachträglich: was hilft

Wenn die Spiegelung doch im Modell gelandet ist, gibt es drei Wege.

  1. Von Hand löschen. In einem Bearbeitungsprogramm (Editor) wie SuperSplat, das kostenlos im Browser läuft, wählt man den nachgebauten Raum hinter dem Spiegel aus und löscht ihn. Das ist der naheliegende Weg bei einzelnen Wandspiegeln; wie sauber das Ergebnis wird, haben wir nicht gemessen. Man muss aufpassen, nicht zu viel zu löschen, und sollte immer eine Kopie des ungeputzten Modells behalten.
  2. Die richtige Aufräumregel wählen. Automatische Regeln für „unter dem Boden“ sind bei glänzenden Böden gefährlich, wie das Beispiel oben zeigt. Bei Horama entfernt die Regel deshalb nur noch, was tiefer liegt als die Raumhöhe plus 0,3 Meter. Der Spiegelraum bleibt damit stehen und deckt den halbdurchsichtigen Boden ab. Das ist das Sicherheitsnetz für den Fall, dass Schritt 3 nicht reicht.
  3. Den Boden schon im Training schließen. Statt den Boden vom Spiegelraum abhängen zu lassen, werden beim Training Splats unter dem Boden laufend entfernt. Die Bodenschicht bildet dafür mehr eigene Splats und wird durch deren Zahl deckend. Im selben Testscan sank der durchsichtige Anteil im Mittel von 17,5 Prozent auf 0,03 Prozent, größter Einzelwert 0,76 Prozent statt 51,4 Prozent. Dafür wurde das neue Modell zur Probe noch mit dem alten, harten Schnitt bereinigt und von 24 festen Blickpunkten aus mit der Magenta-Probe geprüft. (Messung bei Horama, Testlauf vom 01.11.2026, bisher an einer Szene.) Das Spiegelbild des Fensters bleibt dabei als weicher Schimmer auf dem Parkett sichtbar, ähnlich wie vorher. Ob das gefällt, ist eine Frage des Geschmacks. Außerhalb des Grundrisses, etwa unter Wänden und vor Fenstern, liegen danach mehr Reste unter der Bodenhöhe. Für den Rundgang war das unschädlich, die Prüfung an einer zweiten Szene steht aus.

Wer bei einem schwarzen oder löchrigen Boden die Ursache sucht, vergleicht dieselbe Ansicht im rohen Modell, im aufgeräumten Modell und im fertigen Rundgang. Taucht der Fehler erst im aufgeräumten Modell auf, liegt er in der Aufräumregel.

Häufige Fragen

Warum sehe ich im Spiegel des Rundgangs einen zweiten Raum?

Weil das Modell eine Spiegelung nicht von einem echten Durchblick unterscheiden kann. Es sucht die einfachste Erklärung für die Fotos und baut hinter die Spiegelfläche einen Raum, der es in Wirklichkeit nicht gibt. Die Forschung nennt das, Spiegelungen als virtuelle Räume zu missdeuten.

Muss ich vor dem Scan alle Spiegel abhängen?

Kleine und mittlere Spiegel ja, das ist der sicherste Weg. Große, fest eingebaute Spiegel lassen sich oft nicht entfernen. Dann hilft Abdecken, soweit möglich, und sonst bleibt an der Spiegelfläche eine unscharfe Stelle. Auch Fernseher und Glastüren sollten bedacht werden. Die komplette Liste steht in der Checkliste zur Vorbereitung.

Warum ist der Boden im Rundgang manchmal dunkel oder schwarz?

Ein glänzender Boden wird im Modell oft nur halbdurchsichtig dargestellt, und darunter liegt sein Spiegelbild. Entfernt eine automatische Aufräumregel diesen Spiegelraum, scheint der dunkle Hintergrund des Betrachters durch. Bei Horama war das in allen eigenen Rundgängen so, bis die Regel angepasst wurde.

Lässt sich ein Spiegel im fertigen Rundgang noch reparieren?

Teilweise, und es ist Handarbeit. Man löscht den nachgebauten Raum hinter dem Spiegel in einem Editor. An der Spiegelfläche selbst kann eine weichere Stelle zurückbleiben. Einfacher ist es, den Spiegel vor der Aufnahme abzuhängen.

Haben Matterport-Rundgänge dasselbe Problem?

Ja, nur anders. Matterport sieht vor, dass der Fotograf Spiegel in der App einzeichnet, weil die Kamera sonst hinter der Spiegelung einen Raum vermutet. Ohne dieses Einzeichnen können laut Matterport erhebliche Ausrichtungsfehler beim Scannen entstehen.

Jann Allenberger ist Gründer von Horama in Heddesheim. Er erstellt mit Gaussian Splatting begehbare 3D-Rundgänge für Makler in der Metropolregion Rhein-Neckar.

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